Prof. Leitner und Team bei Preisverleihung in Berlin

Überwältigende Anerkennung für Forschungsprojekt

Prof. Walter Leinter bei der Verleihung des Deutschen Zukunftspreises in Berlin am 27. November 2019 (c) zdf

In Berlin wurde am 27. November der Deutsche Zukunftspreis 2019 verliehen. Unter den drei letzten Teams im Finale war eine Forschergruppe, zu der auch Prof. Walter Leitner, Direktor am MPI für Chemische Energiekonversion, gehört. Gewonnen hat letztendlich ein anderes Team („Process Mining“) aus München, Leitner war dennoch überwältigt von der Anerkennung für das eigene Projekt "CO2 – ein Rohstoff für nachhaltige Kunststoffe" durch die Fachjury und den Bundespräsidenten.

Die hochkarätige Fachjury lobte das Team rund um Prof. Walter Leitner (MPI CEC, RWTH Aachen), Dr. Christoph Gürtler und Dr. Berit Stange (beide Covestro Deutschland AG) für ihre innovative und beeindruckende Lösung für ein Problem, das die Gesellschaft derzeit besonders bewegt.

Den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des MPI CEC, der RWTH Aachen und von Covestro ist es gelungen eine vielversprechende Technologie zu entwickeln, die aus Kohlendioxid (CO2) Kunststoff macht.
Das Team ist insbesondere auf Grund der engen Kooperation von akademischer und industrieller Forschung so erfolgreich. Prof. Walter Leitner, Dr. Christoph Gürtler und Dr. Berit Stange bringen Grundlagen- und angewandte Forschung zusammen und schaffen so den Sprung vom Labor auf den Markt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stellt zu Recht heraus: "Gewonnen hat, wer hier nominiert ist." Und dem entsprechend sind Prof. Leitner und seine Kolleginnen und Kollegen auch überaus dankbar für die Chance ihr Projekt der Öffentlichkeit präsentiert haben zu können. "Wir feiern hier mit Kollegen der MPG, der RWTH und Covestro ein tolles Event und die überwältigende Anerkennung, die wir für unsere Forschung und deren industrielle Umsetzung heute erfahren durften", so Leitner direkt im Anschluss an die Preisverleihung.

Innovative Forschung: Vom Treibhausgas zum Kunststoff

In unserem Alltag und in der chemischen Industrie ist Kohlenstoff ein unverzichtbarer Bestandteil vieler Produkte. Gewonnen wird dieser bislang meist aus Erdöl, Erdgas oder Kohle. Prof. Leitner und seinem Team ist es gelungen ein Verfahren zu entwickeln, das es möglich macht Kohlenstoff aus Kohlendioxid-Molekülen zu nutzen. So wird CO2 als Rohstoff für nachhaltige und hochwertige Kunststoffe einsetzbar und kann in zahlreichen Alltagsprodukte Anwendung finden.

Möglich ist der Prozess durch ein komplexes katalytisches Verfahren.
CO2 ist ein sehr träges Molekül und geht nur sehr mühsam chemische Verbindungen mit anderen Substanzen ein. Dem Team ist es jedoch gelungen einen maßgeschneiderten Katalysator zu entwickeln, der die Reaktionspartner dazu bringt eine Verbindung einzugehen, indem er die Aktivierungsenergie für die Umwandlung senkt und diese in eine gewünschte Richtung steuert. So wird die Reaktion wirtschaftlich und effizient.

Die Forscher haben mit Hilfe des CO2 Polyol erzeugt, das bislang primär aus Erdöl erzeugt wurde und als Ausgangssubstanz für vielseitig einsetzbare Kunststoffe nutzbar ist. Polyol wird zu Polyurethanen weiterverarbeitet, einer Klasse von Kunststoffen, die in zahlreichen Produkten Verwendung findet. Der weltweite jährliche Bedarf von Polyol bzw. Polyurethan überschreitet einige Millionen Tonnen, sodass sich mit dem Austausch des Erdöls durch CO2 jährlich viele Tonnen fossiler Rohstoffe und gleichzeitig eine entsprechende Menge an CO2-Emissionen einsparen ließen.

Bereits jetzt können in einer Pilotanlage der Covestro AG jährlich bis zu 5.000 Tonnen des Stoffs Polyol hergestellt werden. Erste Produkte mit CO2-haltigen Materialien, wie etwa Matratzen, sind bereits auf dem Markt und immer mehr Alltagsprodukte lassen sich mit Kunststoff aus Kohlendioxid herstellen. Das Marktpotenzial für die Innovation und entsprechende Produkte ist folglich immens. Ziel der Forscherinnen und Forscher ist es der Industrie eine Plattformtechnologie zur Verfügung zu stellen, mit der viele weitere Anwendungsgebiete erschlossen und die Herstellung synthetischer Fasern aus CO2 vorangetrieben werden können.

Kontaktperson:

Prof. Dr. Walter Leitner
MPI für Chemische Energiekonversion
Stiftstraße 34-36
45470 Mülheim an der Ruhr

walter.leitner(at)cec.mpg.de

0208/306-3614

Pressemitteilung der RWTH Aachen (.pdf)